Reisen in Deutschland

Audiobeispiel „Reisen In Deutschland“
Hannes Strobl: Komposition, Field Recording, E-Bass, Elektronik
David Moss: Stimme

Reisen in Deutschland
Konzept für eine radiophone Komposition

„Reisen in Deutschland“ ist eine Komposition, die auf kontinuierlich gesammelten Field Recordings aus deutschen ICE-Zügen basiert. Das akustische Material wird nicht dokumentarisch verwendet, sondern als Ausgangspunkt einer musikalischen Transformation: Zuggeräusche – Rauschen, rhythmische Impulse, Vibrationen – werden aus ihrem funktionalen Kontext gelöst und zusammen mit E-Bass und elektronischen Klängen als Klangbausteine weiterverarbeitet.

Der Zug erscheint dabei als spezifischer Hörraum: ein temporäres, sich bewegendes Interieur, dessen weiche Oberflächen, Polsterungen und konstruktive Dämpfungen die Raumakustik und Klangfarbe prägen. Privater und öffentlicher Raum greifen permanent ineinander. Zwischen konzentrierter Laptoparbeit, gedämpften Gesprächen, körperlicher Nähe und kollektiver Bewegung entsteht ein akustisches Gefüge, das weder eindeutig intim noch anonym ist. Diese Ambivalenz bildet einen zentralen Wahrnehmungs- und Spannungsraum der Komposition.

Die formale Entwicklung des Stücks orientiert sich nicht an geografischen Strecken, sondern an Bewegungszuständen des Reisens: Anfahren, Beschleunigen, gleichförmiges Durchfahren, Verzögerung, Stillstand. Diese Zustände strukturieren den Verlauf der Komposition und überlagern sich mit den sozialen Mikroprozessen des Zugraums.

Im Fokus steht der Innenraum des Zuges als akustisches System und soziales Gefüge, dessen kontinuierliche Bewegung eine eigene zeitliche Logik hervorbringt. Die Komposition montiert und kontrastiert die Aufnahmen zu einer eigenständigen klanglichen Reise, die weniger reale Orte durchquert als sich wandelnde akustische Zustände erfahrbar macht.

Dauer ca. 40-50 Min.